Künstliches Riff
Kieler Förde ist fertig!Datum
16.11.2001 14:03:35 Thema
REISE
Wer in diesem Jahr auf der "BOOT" war, hat sicherlich
den löcherigen Betonkörper in der Nähe des Aktionsbeckens vor
dem Stand von PADI gesehen. Das war ein sogenannter Reefball,
eine Etnwicklung amerikanischer Meeresbiologen, Diese Objekte
schaffen in kurzer Zeit eine erhebliche
...
Zunahme der Biomasse, weil sich auf un in
ihnen vielfältige Lebensgemeinschaften
aufbauen.
Die Website http.//www.reefball.com ist
sehr informativ und zeigt nicht nur das Konzept, sondern
stellt auch verschiedene weltweit bereits realisierte Projekte
vor.
Wir, der Tauchverein
"Fördetaucher", sind ohnehin biologisch-dokumentarisch
engagiert und fanden das Konzept faszinierend - so etwas
wollten wir auch bei uns in der Ostsee haben! Und ein Partner,
der Mitglied bei PADI ist, war auch schnell gefunden - Olli
Wolf vom Baltiv Dive Center in Kiel sagte spontan seine
Kooperation zu.Seine Tauchschule ist auch nur 1000 Meter vom
Riff entfernt.
Eigentlich war damit der
Start gar kein Problem, denn die Stiftung "Project A.W.A.R.E."
mit Sitz in der Schweiz hat einen kompletten Satz von
Gießformen gekauft und trägt auch die Speditionskosten für
Anlieferung und Abholung. Diese Stiftung werden viele Taucher
kennen, denn sie ist u.a. im Hai- und Schildkrötenschutz tätig
und sorgt für Ankerbojen an vielbetauchten Riffen. Ihr Ziel
ist weltweit mit unterschiedlichen Projekten der Schutz und
die Erhaltung von marinen und limnischen Lebensräumen, also
unseren Tauchgewässern. PADI Europe ist der Hauptsponsor der
Stiftung, die wirklich gute und erfolgreiche Arbeit macht,
deshalb ist es erwünscht, dass der Riffbauer entweder selbst
ein PADI-Tauchcenter betreibt oder mit einem solchen
kooperiert.
In einem bürokratisch
durchorganisierten Land kann man natürlich nicht einfach mal
eben 20 Reefballs von bis zu 1,3m Höhe im Meer versenken, es
gibt eine beachtliche Anzahl an Behörden, die ihr OK geben
müssen, und nicht alle sind sofort überzeugt, dass so etwas
der Umwelt nützt. Es kostete also vorab eine Menge Arbeit,
Argumente und Papierkram, dann war alles klar (kostete noch
mal, diesmal in D-Mark für die Genehmigungen und die Pacht
eines Stückchen Meeresbodens).
Wir
hatten uns einen Bereich des Meeresbodens ausgesucht, der
bislang nahezu tot war - eine sandig-schlammige ebene Fläche
in 13 - 14 Meter Tiefe in der Kieler Außenförde. Für die
laufende Beobachtung war es wichtig, dass der Platz auch von
Land aus leicht erreichbar ist. Wir brauchten eien Bauplatz
für die Riffkörper am Wasser, eine gewisse Infrastruktur
(Gabelstapler zum Abladen der Formen, Kran zum Hineinheben der
fertigen Reefballs, Liegeplatz für das Schleppschiff) und 5
Kubikmeter Beton mit geeigneter Rezeptur, der die Vereinskasse
möglichst nicht belastet.
Schließlich
hat alles bestens geklappt: Alle Behörden waren überzeugt,
alle Genehmigungen erteilt, die Bundesmarine
(Marineflieger-Geschwader 5 iin Kiel-Holtenau) ließ sich für
das Projekt begeistern und stellte den Bauplatz am Wasser und
das notwendige technische Gerät zur Verfügung, die Firma
Thomas-Beton spendete das
Baumaterial.
Vom Zusammenbeu der Formen
bis zum Abschluss des Projekts hatten wir zwar eine Menge
Arbeit, aber auch viel Spaß. A.W.A.R.E. stellt zwar ein Video
und eine Bauanleitung zur Verfügung, aber dennoch waren immer
wieder technische Kreativität und Werkzeuge wie z. B. ein
Druckluftmeißel zum Ausschalen sowie Hebesäcke mit 500 kg
Hebevermögen (dankend angenommene leihweise Spende von
POSEIDON in Kiel-Klausdorf) gefragt. Ferner hatten wir das
Problem, dass vom Bauplatz bis zur Riffposition eine
Schleppstrecke von 2 Seemeilen zurückzulegen war, und
Reefballs sind nicht gerade strömungsoptimiert. Ein stabiles
Schleppschiff mit ordentlicher Motorisierung ist da
zweckmäßig, der Satz auf der Reefball-Homepage, dass jedes
Boot zum Schleppen geeignet ist, dürfte nicht ganz zutreffend
sein, nach unseren Erfahrungen möchte ich einem Schlauchboot
die erheblichen Kräfte beim Schleppen eines Bündels von 4
Reefballs nicht zumuten.
Aber es hat
sich gelohnt: Brereits jetzt, 10 Tage nach dem Auslegen, sind
die ersten Lebewesen da (der Werbesatz "Beton ist Leben"
stimmt!), und wir hoffen, dass die Reefballs in wenigen
Monaten dicht besiedelt sind und ihre Aufgabe im Ökosystem der
westlichen Ostsee erfüllen.Wir werden unsere Website
http://www.Ostsee-wracktauchen.de demnächst um eine
Reefball-Seite erweitern und fortlaufend aktuelle Fotos ins
Netz stellen.
Wer jetz Lust hat, auch
"vor seiner Haustür" ein derartiges Riff zu installieren, kann
sich an die Mailadresse aware@padi.ch wenden. Die Leute, die
dort die Stifung A.W.A.R.E. managen, sind außerordentlich nett
und kooperativ!
Und wer genauso wie wir Probleme
hat, den Behörden den Wert eines derartigen Riffes für die
Umwelt zu erklären, darf sich gern an mich wenden:
foerdetaucher@t-online.de
Wir möchten,
dass sich zunächst die Biologie am Riff ungestört entwickelt,
zumal gerade in der Erstbesiedlungsphase auch Meeresbiologen
der Kieler Uni dort Forschung betreiben. Deshalb stehen hier
noch keine genauen Ortsangabe und keine Peilung, wie das Riff
von Land aus zu finden ist. Das werden wir aber nachholen,
sobald die sensible Phase vorbei
ist.
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